Kai-Uwe Lompa, Geschäftsführender Gesellschafter von aib
aib steht für Baukultur, Architekturqualität und das Realisieren innovativer Arbeitswelten. In ihren Projekten verbinden sie Funktionalität mit kulturellem Anspruch und sind Partner für Architektur, Generalplanung und Projektmanagement. Wir haben mit Kai-Uwe Lompa, dem Geschäftsführenden Gesellschafter von aib, über Kunst am Bau, den Genuss von Architektur, seine Leidenschaft für Pferde und über die Frage gesprochen, was Qualität eigentlich bedeutet.
Kunst am Bau – Identität schaffen statt verzieren
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich der Diskurs über „Kunst am Bau“ spürbar verändert. Längst geht es nicht mehr nur um dekorative Elemente, sondern um Identitätsstiftung, um gesellschaftliche Impulse und um die Verbindung von Menschen mit ihrem Arbeits- oder Lebensumfeld. Diese Auseinandersetzung prägt hoffentlich den Charakter von Gebäuden, schafft Identität und kann Nutzern einen völlig neuen Zugang zu Architektur ermöglichen.
Welche Beispiele aus den letzten 20 Jahren haben für Sie persönlich den stärksten Eindruck hinterlassen – sei es aus Ihrer Arbeit bei aib oder aus Projekten, die Sie inspiriert haben? Und wie unterscheiden Sie zwischen reiner Dekoration und Baukunst, die ja einen bleibenden kulturellen Wert hat?
LOMPA: Richard Serra in der Kunstinsel Hamburg mit seinem asymmetrisch gesetzten Kreide-Punkt als Kontrapunkt zur Ungers`schen Symmetrie und Ordnung des Gebäudes. Hier setzt sich der Künstler mit dem starken Ordnungswillen des Architekten auseinander und „rebelliert“ gegen dieses Thema, ähnlich hat Tony Cragg auf meinen Entwurf zum Neubau der Hauptverwaltung der Barmenia Versicherung in Wuppertal reagiert. Auch hier setzen seine Skulpturen einen Kontrapunkt zu dem symmetrisch und in einer Rasterstruktur entwickelten Gebäudekonzept. Diese dienen allerdings hier auch dem Gebäude, da durch sie die Frischluft für das Gebäude eingezogen wird.
Eine andere wichtige Arbeit war für mich die Installation von Heike Weber an dem Gebäude Kö 19 auf der Königsallee in Düsseldorf. Hier reagiert die Künstlerin zum Einen auf den hohen, aber schmalen Eingangsbereich des Treppenhauses und zum Anderen das Thema Innen/Aussen.
In dieser Art mit Raum, Gebäude und Themen zu spielen finde ich eine Bereicherung für die Architektur, die Kunst und auch die Passanten, da es eben nicht Dekoration darstellt, sondern sich thematisch mit dem Gebäude und seiner Eigenart auseinandersetzt.
„Architektur hat in meinem Verständnis wenig mit Geschmack zu tun, sondern in erster Linie mit Funktion, Langlebigkeit, Vielseitigkeit und Schönheit.“
Genuss und Architektur – eine Frage der Haltung
Der Genuss eines guten Weins hat, so denken wir, erstaunlich viel mit Architektur gemeinsam: Beide tragen eine Handschrift, beide sind Ausdruck von Kultur, und am Ende zählt das Erlebnis. Handwerk, Qualität und Kreativität bestimmen gleichermaßen darüber, ob ein Gebäude oder ein Wein im Gedächtnis bleibt.
Sehen Sie Parallelen zwischen kulinarischen Genüssen und architektonischer Gestaltung? Ist Architektur für Sie auch eine Form von „Geschmackskultur“? Oder geht es vielleicht vielmehr um eine Haltung, die sowohl beim Bauen als auch beim Genießen von Bedeutung ist?
LOMPA: Architektur hat in meinem Verständnis wenig mit Geschmack zu tun, sondern in erster Linie mit Funktion, Langlebigkeit, Vielseitigkeit und Schönheit.
Im besten Fall kann Architektur auch eine gewisse Zeitlosigkeit erreichen, so dass ihr Entstehungsjahr nicht direkt abgelesen werden kann, sondern vielleicht zu einer bestimmten Periode zugeordnet werden kann.
Trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten, beim Wein kommt es wesentlich auf das „terroir“ an, bei der Architektur auf den Ort. Und beides kann Vergnügen bereiten.
Pferde als Inspirationsquelle
Wer mit Pferden lebt und arbeitet, so wie Sie, weiß um die Mischung aus Kraft, Geduld, Vertrauen und Disziplin, die dieses Miteinander erfordert. Eigenschaften, die auch in Architekturprozessen entscheidend sind. Projekte müssen geführt, gesteuert und im Gleichgewicht gehalten werden – ähnlich wie die Beziehung zwischen Mensch und Tier.
Inwiefern hat Ihre Begeisterung für Pferde Ihre Sichtweise auf Architektur geprägt? Können solche Leidenschaften abseits der Architektur den Blick auf das Kerngeschäft verändern? Und können Sie aus dieser Leidenschaft Inspiration ziehen, die Sie in Ihrer Arbeit als Architekt und Planer begleitet?
LOMPA: Ganz sicher, die Pferde lehren einen, Geduld zu entwickeln. Ohne Geduld erreichen Sie nichts, die Ausbildung eines Pferdes benötigt Zeit und Disziplin, das ist beim Entwerfen nicht anders und sowohl Mitarbeiter als auch Auftraggeber kann man ohne Geduld und Disziplin nicht ins Ziel führen. Das wird aktuell sogar immer anspruchsvoller.
Qualität als Leitbegriff
Ob in den verwendeten Materialien, in der Zusammenarbeit im Team oder in der sorgfältigen Projektsteuerung: Baukultur lässt sich ohne Qualität nicht denken. Gleichzeitig ist Qualität persönlich definiert. Für den einen liegt sie im Detail, für den anderen im großen Ganzen.
Wie würden Sie Ihren persönlichen Qualitätsanspruch in einem Satz beschreiben - und geht das überhaupt? Und was ist für Sie der entscheidende Unterschied zwischen Projekten, die „gut“ gelungen sind, und jenen, in denen etwas wirklich Herausragendes entstanden ist? Oder anders gefragt: Ist Qualität ist die bzw. die einzige Kategorie, an der sich Erfolge und Misserfolge oft am klarsten ablesen lassen?
LOMPA: Beides muss zusammenpassen, ohne übergeordnetes Konzept entsteht keine Architektur. Das Konzept muss sich aber auch im Detail wiederfinden und dort ebenfalls Qualität entwickeln, sonst wird das beste Konzept ruiniert.
Am Ende überzeugt „vor Ort“ nur das im Detail sorgfältig ausgeführte Konzept.
Blick nach vorn
Wer über Baukultur spricht, blickt immer auch in die Zukunft. Gesellschaftliche Veränderungen, technologische Entwicklungen und neue Formen des Arbeitens werden die Architektur auch der kommenden Jahre prägen.
Welche Trends sehen Sie in den nächsten zehn oder mehr Jahren auf die Architekturbranche zukommen? Und wie kann ein Büro wie aib sicherstellen, dass Baukultur, Innovation und Alltag in einer sich wandelnden Welt im Gleichgewicht bleiben?
LOMPA: Die Trends sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Das gilt für alle Gebäude, die zukünftig erstellt werden. Dabei läuft die Regulatorik in Deutschland leider in die falsche Richtung.
Anstatt den Dämmwahn weiter zu reiten und immer mehr Technik (die nach 5 Jahren bereits erneuert und oder upgedated oder intensiv gewartet werden muss) sollte der Gesetzgeber sich intensivere Gedanken um low-tech Gebäude machen, die so gebaut werden, dass sie mindestens 100 Jahre halten, Flexibilität für unterschiedliche Nutzungen vorweisen und auch rückbaufähig sind. Als Beispiel sehe ich hier für Bürogebäude und Wohngebäude die 22-26 Grad Konzepte die durch die Kollegen Baumschlager Eberle seit über 10 Jahren realisiert werden und die ohne Heizung und Kühlung auskommen.
Wir sind digital gut aufgestellt, da wir bereits seit Jahren das Thema BIM bei uns im Büro aufbauen und wir haben seit 3 Jahren eine junge, intrinsisch motivierte task-force für das Thema Sustainability innerhalb des Büros aufgebaut, die sich um die Themen ESG, Taxonomie, zirkuläres Bauen, LCA, Wasserkreisläufe in den Gebäuden, CO2-Berechnung und -Reduzierung und viele weitere Themen kümmern und diese immer wieder bei Auftraggebern und in den Projekten strapazieren.
Wir sind damit für die anstehenden Aufgaben gut gerüstet und haben in diesem Jahr zur Erweiterung unseres Tätigkeitsfeldes eine Niederlassung in Nürnberg eröffnet.

Jedes unserer realisierten Bauprojekte entsteht durch erfolgreiche Teamarbeit. Grundlage hierfür sind wertschätzende, langjährige Bindungen an unsere Mitarbeiter und ein stetig wachsender Erfahrungsschatz.
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„Partnerschaftliches Arbeiten ist die Grundvoraussetzung für einen gemeinsamen Wertezuwachs.“




